Eine Yacht ist ein verhältnismäßig kleiner Raum – und genau das macht sie zu einem sozialen Mikrokosmos, in dem Gemeinschaft und Inklusion an Bord unmittelbar erlebbar werden. Vom ersten Tag an teilt man Eindrücke und Abenteuer im engen Kreis: gemeinsam staunt man über Delfine am Bug, gemeinsam genießt man abends beim Essen die lokalen Spezialitäten. In einem inklusiven Setting wächst die Reisegruppe oft noch enger zusammen, weil man sich gegenseitig unterstützt und aufeinander Acht gibt. Jeder hat seine Rolle im kleinen Bordleben. Vielleicht übernimmt ein Gast ohne Behinderung mal das Grillen an Deck, während der Freund im Rollstuhl zum "Navigator" wird, der mithilfe der Seekarten im Tablet die nächste Bucht vorschlägt. Solche Momente des informellen Teamworks entstehen fast von selbst, wenn alle das gemeinsame Ziel haben, eine schöne Zeit zu verbringen.
Inklusion bedeutet auch, Unterschiede zu respektieren und zugleich Gemeinsamkeiten zu finden. An Bord einer Yacht verschwimmen viele Unterschiede: Sobald die Sonne glitzert und das Meer ruft, spielt es keine Rolle mehr, wer besonders sportlich ist oder wer im Alltag vielleicht ein langsameres Tempo hat. Man findet Aktivitäten und Gesprächsthemen, die alle verbinden – sei es die Begeisterung für die Natur, das Interesse an fremden Kulturen bei Landausflügen oder einfach der Spaß an einem Kartenspiel im Salon. Menschen mit und ohne Behinderung lernen einander oft auf einer tieferen Ebene kennen. Vorurteile oder Berührungsängste, falls sie anfangs vorhanden waren, lösen sich in der salzigen Seeluft auf. Zurück bleibt das Gefühl: Wir sind eine Crew, wir gehören zusammen.
Interessant ist, dass Inklusion an Bord nicht nur die Gäste mit Handicap betrifft. Auch die mitreisenden Familienangehörigen oder Freunde spüren die positive Wirkung. Eltern, die ihren erwachsenen körperbehinderten Sohn sehen, wie er eigenständig an einem Urlaub teilnimmt und vielleicht sogar neuen Mut fasst, erleben selbst unbeschreibliche Freude und Erleichterung. Freunde, die einen Kumpel mit Behinderung begleiten, merken, dass die Dynamik viel ungezwungener ist, wenn alles barrierefrei organisiert ist – sie können zusammen lachen und träumen, ohne permanent in der Helferrolle sein zu müssen. Alle Beteiligten können sich somit mehr auf das Miteinander konzentrieren als auf das Bewältigen von Hindernissen. Das schafft eine entspannte, nahezu familiäre Atmosphäre.
Nicht selten entstehen auf solchen Reisen Freundschaften fürs Leben. Das kann sowohl die Beziehung zwischen den Gästen untereinander betreffen als auch zu den Crewmitgliedern. Wenn man eine Woche oder länger auf engem Raum verbringt und dabei Höhen und Tiefen – von atemberaubenden Sonnenaufgängen bis zu gemeinsam bewältigten kleinen Herausforderungen – teilt, schweißt das zusammen. Jeder trägt seinen Teil zur Gemeinschaft bei: sei es durch Hilfsbereitschaft, gute Laune, Erzählungen oder einfach dadurch, dass man da ist und zuhört. Eine inklusive Reisegruppe auf einer Yacht ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie Inklusion im Kleinen gelingt und wie viel Lebensfreude sie freisetzt. Man kommt als Gruppe an Bord und geht als Gemeinschaft von Bord – bereichert um Erlebnisse, die man einander zu verdanken hat.
Diese gemeinschaftliche Stimmung zeigt sich auch in kleinen Gesten: Man feuert sich gegenseitig an, wenn jemand einen persönlichen Meilenstein erreicht – sei es der erste Sprung ins Meer oder das Erklimmen der Aussichtplattform einer Küstenfestung mit dem Rollstuhl. Abends stößt man zusammen auf den gelungenen Tag an und jeder weiß, dass er seinen Anteil daran hatte. Keine Leistung ist zu gering, kein Beitrag selbstverständlich – man schätzt einander und das stärkt den Zusammenhalt ungemein. Inklusive Gemeinschaft an Bord heißt eben: Jeder gehört dazu, mit all seinen Facetten, und genau das macht die Reise für alle bedeutungsvoller. Am Ende einer solchen Reise steht nicht nur ein tolles Urlaubserlebnis, sondern auch das Gefühl, Teil einer echten Gemeinschaft gewesen zu sein.