Für Rollstuhlnutzer und alle, die etwas mehr Raum benötigen, ist das Platzangebot einer Yacht ein Schlüsselfaktor. Hier punktet der Motorkatamaran auf den ersten Blick: Die große Breite und das oft offen gestaltete Deckshaus schaffen viel Bewegungsfreiheit. In einem Katamaran-Salon kann ein Rollstuhl meist bequem wenden, ohne anzustoßen. Auch die Durchgänge zu den Außenbereichen sind großzügig dimensioniert – breite Schiebetüren zum Achterdeck und teils sogar Frontausgänge zum Vordeck ermöglichen fließende Übergänge von drinnen nach draußen. Viele moderne Motorkatamarane setzen auf ein "Open Space"-Konzept: Salon und Cockpit verschmelzen zu einem ebenen Wohnbereich, wenn die Türen geöffnet sind. Für jemanden im Rollstuhl bedeutet das: keine Schwellen, keine engen Ecken, stattdessen ein Panorama-Raum mit vielen Bewegungsmöglichkeiten.
Bei einer klassischen Motoryacht ist der Grundriss anders. Durch den schmaleren Rumpf sind Salons und Gänge kompakter. Das heißt nicht zwangsläufig eng – insbesondere größere Yachten ab 50 Fuß aufwärts bieten durchaus Raum, um sich auch mit einem Rollstuhl zu bewegen. Dennoch kann es vorkommen, dass ein schmaler Gang zum Kabinentrakt oder eine Türbreite zur Herausforderung wird, wenn die Yacht nicht speziell angepasst ist. Hier käme dann der Innenausbau ins Spiel: Schiebetüren statt Schwenktüren, weggelassene Schwellen und clever platzierte Handläufe können viel kompensieren. Aber fest steht: Bei gleicher Größe hat der Katamaran einen natürlichen Vorteil, was offene Fläche angeht.
Ein weiterer Aspekt sind die Kabinen. Motorkatamarane verfügen oft über großzügige Eignersuiten, die die gesamte Breite eines Rumpfes oder sogar beide Rümpfe überbrücken. So eine Suite kann erstaunlich geräumig sein – beispielsweise mit einem 1,60 m breiten Doppelbett und genügend Platz neben dem Bett, um mit einem Rollstuhl heranzufahren. Allerdings befinden sich andere Kabinen bei Kats in den einzelnen Rümpfen, wo die Breite begrenzt ist und der Fußboden dem kurvigen Rumpfverlauf folgt. Dort kann es also enger zugehen, gerade im Fußbereich. Bei Motoryachten wiederum liegen alle Kabinen im selben Rumpf. Je nach Design kann eine der Kabinen (etwa die Eignerkabine) auf dem Hauptdeck positioniert und besonders groß gestaltet sein, während die Gästekabinen im unteren Deck etwas kleiner ausfallen.
Für die Bewegungsfreiheit an Bord ist auch die Decksgestaltung entscheidend. Ein Katamaran hat oft breite Seitendecks, über die man das Vorschiff erreicht – manchmal sogar ohne Stufe vom Cockpit aus. Auf einer Einrumpf-Yacht sind die Seitendecks schmaler und erfordern oft eine kleine Treppe vom Cockpit hoch auf das Seitendeck. Das kann eine Hürde darstellen, wenn kein Hilfsmittel vorhanden ist. Andererseits erlauben manche Monoyachten, durch Seitentüren im Salon direkt aufs Seitendeck zu gelangen (bei größeren Yachten üblich), was wiederum Umwege erspart.
Unterm Strich bietet der Katamaran bei gleichem Footprint mehr nutzbaren Raum, was ihn aus rein platztechnischer Sicht attraktiv für Barrierefreiheit macht. Die Motoryacht kann aber mithalten, indem sie über mehrere Decks verteilt intelligente Lösungen einsetzt – etwa einen Aufzug, der vom Salon ins Unterdeck führt, sodass der geringere Platz pro Deck durch die Möglichkeit des Deckwechsels kompensiert wird. Es kommt also darauf an, wie die Yacht konstruiert und eingerichtet ist. Wer viel Wert auf Weitläufigkeit in einem Geschoss legt, tendiert zum Kat; wer dagegen mit etwas engeren Wegen zurechtkommt, aber vielleicht eine elegante Einteilung mit Privatheit pro Kabine schätzt, wird auch mit einer Motoryacht glücklich. Wichtig ist, dass in beiden Fällen im Planungsstadium an ausreichend Wendekreise, Türbreiten und Bewegungsflächen gedacht wird – dann lässt sich auf jedem Bootstyp erstaunlich viel Raum für Barrierefreiheit gewinnen.
Zusammengefasst: Ein Katamaran bietet tendenziell mehr Bewegungsfreiheit auf einer Ebene, während eine Einrumpf-Yacht sorgfältigeres Design erfordert, um den vorhandenen Platz optimal zu nutzen. Mit kreativer Innenraumgestaltung lässt sich jedoch aus beiden Typen ein barrierearmes Zuhause auf Zeit machen.
Kommentar hinzufügen
Kommentare